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26.10.2021

Freisprechungsfeier 2021

Obermeister Martin Kaffl mit den Besten der Gesellenprüfung (Innungssieger Lukas Steiner, Elektro Schnitzenbaumer aus Feldkirchen, Simon Schmidt, Elektro Kramlinger aus Steinhöring und David Kohlstedt, Elektro Sporer aus Rosenheim, Lehrlingswart und Prüfungsvorsitzender Lenz Zunhammer mit Julia Hartinger, die die Aufgaben von Lenz Zunhammer ab sofort übernimmt. (von links)Bild: OVB
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Laptop und Lederhose hatte der ehemalige Ministerpräsident Edmund Stoiber einst als Kennzeichen für den Wirtschaftsstandort Bayern ausgerufen. Beim Elektrohandwerk sei das mit Arbeitshose und Notebook umgesetzt, meinte Innungsobermeister Martin Kaffl unlängst auf der Freisprechungsfeier für 55 Gesellen. Und er meinte es nur zum Teil scherzhaft, wollte damit nämlich auch die Bandbreite des heutigen „Elektronikers, Fachrichtung Energie- und Gebäudeelektronik“ darlegen: Er reicht von echter Handwerksarbeit im klassischen Sinn bis zum „digitalen Feinschliff“, der Programmierung von Netzwerken.

Eine Bandbreite, die junge Menschen offenbar anzieht, denn die Elektriker haben als eine der wenigen Innungen keine Nachwuchssorgen und das, obwohl Ausbildung wie auch Prüfungen anspruchsvoll sind. Dennoch stand in diesem Jahr bei dreizehn Abschlüssen eine zwei vor dem Komma und das sei eine wirklich herausragende Leistung, meinte Martin Kaffl, „denn eine eins, die ist bei unseren Prüfungen wirklich nur sehr, sehr schwer zu erreichen“. Nicht von ungefähr auch die Tatsache, dass die Gastredner auf der Freisprechungsfeier, die stellvertretende Landrätin Marianne Loferer, der stellvertretende Schulleiter der Berufsschule Claus Schemm und Gebietsdirektor Markus Ostermeier von der Kreissparkasse Rosenheim-Bad Aibling einhellig eines betonten: Die Absolventen sollten jetzt zwar durchaus ihren Erfolg genießen, aber nicht aufhören in dem  Bemühen, ihren hohen Wissensstand zu erhalten: Die „Halbwertszeit“ der Kenntnisse liegt, so Obermeister Martin Kaffl, bei den Elektrikern bei nur fünf Jahren, dies nicht zuletzt der rasanten digitalen Entwicklung geschuldet. Auch das mache den Reiz des Berufes aus, bringe es aber mit sich, dass man hier mit dem Lernen praktisch nie am Ende sei.
Neben dem Berufsalltag in Eigenverantwortung zu lernen und sich weiterzubilden ist eine Herausforderung, aber eine, für die gerade die diesjährigen Gesellen durchaus das nötige Rüstzeug erwerben konnten. Die Coronapandemie, so erläuterte Claus Schemm, habe den diesjährigen Gesellenjahrgang voll erwischt: Lernen im Wechsel- und Distanzunterricht sei Alltag gewesen, sich unter diesen Bedingungen selbst zu motivieren und dann voll konzentriert bei der Stange zu bleiben, eine zusätzliche Herausforderung. Von der Schule aus habe man getan, was man tun konnte, so sei der Berufsschulunterricht von durchgängigen mehrwöchigen Blöcken so umgestellt worden, dass der Nachwuchs wöchentlich einen oder zwei Unterrichtstage hatte. Man wollte, so der stellvertretende Schulleiter der Berufsschule, so oft wie möglich mit den Auszubildenden in Kontakt kommen, wenn denn schon die räumliche Nähe nicht gegeben war. Eine Umstellung, die nur möglich wurde dank der Flexibilität der Ausbildungsfirmen, für deren Unterstützung sich Claus Schemm ausdrücklich bedankte. Einige Betriebe, so berichtete Martin Kaffl, gingen sogar noch weiter, richteten für ihre Lehrlinge „Lernplätze“ in den Firmen ein, an denen sie am Berufsschulunterricht teilnehmen konnten: „Diese feste äußere Struktur machte es manchem doch leichter, dem Unterricht zu folgen“.

Eine durchaus wichtige Rolle – gerade in so schwierigen Zeiten wie während der Corona-Pandemie – kommt dem Vorsitzenden des Prüfungsausschusses zu. In Rosenheim hat dieses Amt Lenz Zunhammer in den letzten fünfzehn Jahren innegehabt und es, wie Martin Kaffl hervorhob, nicht nur durch seine Kompetenz, seinen Einsatz, sondern auch durch seinen Humor geprägt. Die vergangene Freisprechungsfeier war seine letzte, seine Aufgabe übernimmt nun Julia Hartinger. Dass ab jetzt eine junge Frau für die Lehrlinge zuständig ist, kann man durchaus auch als Zeichen verstehen: Mit dem neugeschaffenen Ausbildungsberuf des Elektronikers für Gebäudesystemintegration, der etwas weniger auf handwerkliche Arbeit und dafür mehr aufs Einrichten und Programmieren von Netzwerken setzt, hofft man bei der Innung nicht nur den technischen Anforderungen der Zukunft gerecht zu werden, sondern – gewissermaßen nebenbei - den Beruf auch für weiblichen Nachwuchs attraktiver zu machen.

Text und Bild:  OVB

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